April & Mai

Der zweite Teil des Aprils sollte erfolgreicher werden, doch sehr gut lief es immer noch nicht. Nach dem Rennen in Köln stand das erste Bundesligarennen an. In meinem sechsten Bundesligajahr hatte ich einige Erwartungen an das Rennen in Cadolzburg. Wir konnten das Rennen lange Zeit bestimmen, bis uns einige Fehler unterliefen und eine Gruppe ohne uns fuhr. Diese schienen korrigierbar und so taten wir alles um die Gruppe zurück zu holen. Doch leider reichte es am Ende nicht mehr und die Gruppe rettete einen kleinen Vorsprung vor unserem ersten Fahrer Silvio der Vierter wurde. Ich wurde am Ende 21ter.


Keine vier Tage später stand ein weiter Klassiker auf dem Plan. Beim Eschborn Frankfurt City Loop, dem ehemaligen Henniger Turm, ging es mit World Tour Teams durch den Taunus. Ich sollte meiner Bestimmung nachgehen und Gruppen besetzen. Dies liegt mir und so war ich nicht selten im vorderen Teil des Feldes zu sehen. So konnte ich auch die erste Bergwertung in Riedberg gewinnen. Nach meinem letztjährigen zweiten Platz sollte dieses mal der Siegerpokal her. Kurz vor dem Eingang in den Feldberg wurde nochmal attackiert und Mirko war mit dabei. Diese Gruppe setzte sich dann ab und fuhr lange Zeit an der Spitze. Für mich hieß es ab da: Überleben! Dies klappte bis zum „gefürchteten“ Mammolzhainer Anstieg auch ganz gut, doch dieser Anstieg sollte auch mir den letzten Zahn ziehen. Zwei mal schaffte ich es den Berg zu überwinden, aber beim dritten mal war es dann geschehen. Die 20% Wand und die anschließenden 2 km mit knapp 6% zeigten mir mal wieder, dass ich kein Berg Fahrer bin. So rollte ich mit dem „Grupetto“ ins Ziel. Den Bergpokal holte übrigens Mirco, womit er immerhin im Team blieb 🙂


Wiederrum zwei Tage später stand das Zeitfahren der LVM auf dem Plan. 30 recht windige Kilometer mit insgesamt 6 Wenden. Nach einer 30km langen Trainingsfahrt mit dem Zeitfahrrad machte ich mir keine großen Hoffnungen ganz vorne mit zufahren. Ich fuhr konstant meine Leistung und erreichte nach 39:04 Minuten das Ziel. Der Sieger, Lars Teutenberg siegte mit knapp 1:40 min Vorsprung vor mir. Nach einer Analyse stellte ich mit meinen Teamkollegen recht schnell fest das meine Sitzposition auf dem Rad, bescheiden gesagt, schlecht ist (O-Ton Nils P.:“Du sitzt auf dem Rad wie ein Kühlschrank“). Diese Analyse nutzte ich dazu meine Sitzposition grundlegend zu verändern. Aber dazu später mehr.
Denn einen Tag später stand die Landesmeisterschaft Straße an. Als Zweimaliger Sieger und damit Titelverteidiger hatte ich einige Erwartungen. Mit mir war auch mein Teamkollege Thomas Koep bei mir. Nach einigen Runden auf dem selektiven 9 km Kurs in Herbram stand dann eine gut besetzte 13 Fahrer starke Gruppe in der eigentlich alle „Hauptkonkurrenten“ samt Thomas und mir Vertreten waren. So fuhren wir Runde um Runde bis Ich anfing die Anstiege immer mal wieder schneller hoch zufahren um die Konkurrenten aus der Rundstreckenabteilung müde zu machen. Dies klappte auch sehr gut. Als Chris Schweizer (Synergy Baku, KT) dann zur Attacke ansetzte, aber auf der Hälfte des Berges nicht mehr konnte setzte Thomas seine Attacke. Zuerst konnte nur Frank Lütters (Blitz Spich, A-Klasse) folgen. Ich war in der Gruppe zu weit hinten um direkt am Rad mitzufahren. Fuhr aber konstant mein Tempo und war oben auf der Kuppe wieder dran. So fuhren wir zu dritt in die letzte Runde. Am nächsten Anstieg fuhr Thomas dann etwas schneller. Lütters konnte nicht folgen und ich musste nicht. So war Thomas auf und davon und Lütters und Ich dahinter. Am letzten Berg setzte ich dann meine Attacke gegen Lütters und war ebenfalls alleine. So siegte Thomas vor mir. Doppelsieg!


Im vollen Rennplan stand schon Mittwoch das nächste Rennen an. Die polnische Rundfahrt „Szlakiem Grodow Piastowskich (UCI 2.1)“ begann mit einem Kriterium über 30 km. Hier ging es nur um die Trikotvergabe. Zeit für die Gesamtwertung gab es hier nicht, wodurch immer wieder Fahrer einfach ausstiegen. Ich nahm mir vor ein Trikot zu holen. Beobachtete zunächst wie die anderen um die ersten Trikots sprinteten. Ich nahm mir das Punktetrikot, eine Runde vor dem Ende, vor. Das heimische CCC Polsat Team formierte sich vorne für den Sprint um Gelb. Auf den letzten Metern vor der entscheidenden Zielkurve setzte ich an, fuhr an der Reihe vorbei und fuhr einen kleinen Vorsprung raus. Doch leider hatte sich ein Bahnfahrer von Dukla Prag an mein Hinterrad gehängt und fuhr in der Zielkurve mit vollem Risiko innen durch. Mein Leben war mir das Trikot dann doch nicht wert und somit nahm ich raus um nicht zu stürzen.
Denn der nächste Tag hielt einige Berge für uns bereit und sollte sehr hart werden. Schon am ersten Berg merkte ich, dass ich hier wohl nicht einer der Fahrer bin, die vorne mit über den Berg kommen. Doch ich fuhr immer recht weit vorne und konnte mich so bis Kilometer 120 (auf denen es schon 2000 hm gab) halten. Doch als CCC Polsat dann in die entscheidende letzte Bergkette „sprintete“ war meine Zeit gekommen. Das Feld zerfiel und ich fand mich recht weit hinten wieder. So war der Tag dann auch gelaufen. Nach dem Motto „Bist du nicht vorn, spare jedes Korn“ fuhr ich die Etappe locker weiter. Als das Grupetto kam war es dann aber mit dem Locker fahren vorbei. Aus nicht nachvollziehbaren Gründen fuhren de ein Tempo, das es im Grupetto auf den letzten zwei Kilometern noch zur Windkante kam. Letztendlich erreichte ich das Ziel dann trotzdem mit dieser Gruppe.


Der nächste Tag sollte flach werden. Wir fuhren immer zusammen im vorderen Teil. Als dann nach einiger Zeit Attacken gingen, fuhren wir auch mit. So befand ich mich in einer größeren Gruppe. Aber auch hier herrschte keine Einigkeit. Einige Fahrer hatten wohl andere Vorstellungen. So spielte auch dieses Spiel mit und attackierte. Was letztendlich dazu führte das ich mich alleine an der Spitze des Rennens befand, bis 4 Fahrer von hinten dazu stießen. Diese Gruppe harmonierte sehr gut. Ich sparte mir meine Kräfte und fuhr keine langen Führungen um am Ende im Finale die Etappe gewinnen zu können. Den Plan hatte ich aber ohne das CCC Polsat Team gemacht, was im Feld die Nachführarbeit verrichtete um bei ihrem Heimrennen keine Gruppe ohne Sie ankommen zu lassen. Da wir am Ende aber noch mal was drauf legen konnten in der Gruppe, waren wir an der 3-km-Marke aber noch nicht gestellt und versuchten alles um anzukommen. Doch letztendlich endete der Versuch einen Kilometer später. Für meinen Ausreißversuch bekam ich noch einen Pokal eines Bürgermeisters aus der Gegend, da ich eine Sprintwertung gewonnen hatte. Phil wurde im Sprint noch dritter.


Der letzte Tag der Rundfahrt bestand aus einem 30km langen Zeitfahren. Aus meiner veränderten Sitzposition nahm ich die Hoffnung eine Top Ten Platzierung zu erreichen. Es lief gut, bis mir in einer Abfahrt mit einer sehr schlechten Straße die Sattelspitze nach unten rutsche. So musste ich die restlichen 20 km mit „schiefem“ Sattel fahren. Als sich kurz nach der Wende auch noch mein Lenker löste lief es nicht mehr so überragend. Trotzdem erreichte ich mit 39:45 min das Ziel und kam so, nur 4 Sekunden hinter Platz 10, auf Platz 14. Schade!
Eine gute Trainingswoche später stand dann der Garmin Velothon in Berlin an. 175 km Rund um Berlin. Da wir damit rechneten das alle Kontinental Teams (12 an der Zahl) in die Gruppe fahren wollten nahmen wir an, dass das „Gespringe“ sehr lange dauern würde. Doch schon am „Berliner Willi“ konnte ich mich nach einer Attacke eines Polen aus dem Active Jet Team und Christopher Hatz aus dem MLP Bergstraße Team absetzen. Zu uns gesellte sich dann noch Julien Essers vom Team Heizomat. Wir fuhren schnell einen Vorsprung von sechs Minuten heraus. Ich hatte mir die Sprintwertung vorgenommen, da ich erstmal damit rechnete nicht mit dieser Gruppe anzukommen. Die erste Sprintwertung nach 72 km war recht kurios. Der Pole führte nur halbherzig und ließ die letzten Führungen vor der Sprintwertung aus. Ich wunderte mich, dass Schilder wie die 1 km Markierung usw. fehlten. Als dann kurz vor uns eine blaue Bande und ein kleines blaues Schild auftauchten war es zu spät. Im Sprint wurde ich knapp 4ter. Dies bedeutete 0 Punkte und 3 Punkte Rückstand bei 2 verbleibenden Sprintwertungen. Keine gute Aussicht. So beschloss ich, dass das mit dem Sprinten aber vor allem dem Polen nicht weiter gehen kann (dieser gewann die Wertung). Ich fuhr erstmal normal weiter, bis wir die Schlussrunden erreichten. Dann fing ich an zu attackieren. Der Pole fand das wohl nicht so lustig und war recht wütend darüber, was mir aber ziemlich egal war. Als meine deutschen Kollegen begriffen, wie der Hase läuft konnten wir den Polen abhängen. In der zweiten Sprintwertung waren wir nur noch zu dritt. Ich zog den Sprint recht früh an, musste mich dann aber Chris Hatz geschlagen geben, der einfach schneller war. Essers verlor bei diesem Sprint den Anschluss. So waren wir nur noch zu zweit auf weiter Flur. Die letzte Sprintwertung gewann ich, was aber nichts mehr am Sieg von Hatz änderte. So war das neue Ziel: Ankommen, am besten zu zweit vorne! Wir arbeiteten gut zusammen und konnten unseren Vorsprung zum Feld teilweise noch ausbauen. Doch die letzten 20 Kilometer wurden immer länger, und länger und länger …… Fünf Kilometer vor dem Ziel war unsere Flucht dann beendet, das Feld unter der Führung des World Tour Teams Katusha fuhr das Loch zu. Ich kam hinter dem Feld ins Ziel und wurde Zweiter in der Sprintwertung…… Zweiter, schon wieder ….

Alle Rennen sind bei STRAVA online einsehbar! Schaut doch mal rein! (Interaktiv – Strava)

Foto: Mario Stiehl