Juni & Juli

Nach einigen Wochen melde ich mich mal wieder. Endlich ein freier Tag. Nach dem Garmin Velothon in Berlin ging es mit kleineren Rennen in der Pfalz weiter. Nach dem Doppelwochenende in Roschbach wo ich Achter und Dritter werden konnte folgte mein Heimrennen in Dortmund Brackel.
Der Westfalenpreis. Ein Rennen über 130 km, das bei dieser Austragung im strömenden Regenstattfinden musste. Dies kam mir natürlich entgegen und so hielt ich mich immer vorne auf. Nach dem einige Fahrer Ausreißversuche gestartet hatten, diese aber vergeblich waren zündete ich zum ersten Mal meinen Turbo. Ich schaffte den Absprung vor dem Feld mit 5 weiteren Fahrern, darunter auch Dennis Klemme und Tim Klessa. Wir drehten unsere Runden auf dem welligen 8,7 km langen Rundkurs durch Dortmund. Als wir dann nach einigen Runden die Meldung bekamen, dass das Feld aufholt und immer näher kommt, musste ich den zweiten Turbo zünden.

Ich setzte mich immer wieder an die Spitze der Gruppe und forcierte das Tempo. So wurde der Abstand wieder größer. Jedoch verloren wir auch einen Mitstreiter. Kurz vor der Einfahrt in die letzte Runde attackierte ich dann alleine und zersprengte die Gruppe. Der dritte Turbo, dem konnte keiner mehr folgen. Ich fuhr die letzten 9 km alleine dem Ziel entgegen und siegte so mit mehr als 45 Sekunden Vorsprung auf Dennis Klemme und Tim Klessa. Endlich der zweite Sieg 2014 und endlich der sieg bei diesem Rennen. Lange habe ich gewartet, jetzt habe ich es endlich geschafft!
In den folgenden Wochenenden folgten wiederrum kleinere Rennen. Ein Kriterium in der Pfalz bei dem ich leider nicht über den siebten Platz hinaus kam, ein Straßenrennen in Bann, das ich leider schon nach 4 km aufgrund eines Platten Reifens aufgeben musste und das Steinfurter Abendrennen bei dem ich leider nicht mit ins Geschehen eingreifen konnte.
Mitte Juni stand dann eine 2.2 Rundfahrt in Polen an. Jeder hatte hier seine Chance und ich versuchte sie zu nutzen. Am ersten Tag versuchte ich im Finale zu attackieren, leider klappte es nicht. Am zweiten Tag wurde es dann schon bergiger. Leider zu bergig für mich. Bei Höhenmeter 2000 war es dann vorbei und ich konnte die erste Gruppe nicht mehr halten. Jedoch gewann Max die Etappe und schob sich so auf Gesamtrang zwei vor. So hieß es am nächsten Tag arbeiten für Max. Wir kontrollierten das Feld und hielten Max immer vorne aus dem Wind. So das er noch genug Kraft hatte am letzten Berg zu attackieren, sich mit einer kleinen Gruppe abzusetzen und den Sprint aus dieser Gruppe und damit auch die Rundfahrt zu gewinnen!


Es folgte die Westfalenmeisterschaft, bei der ich im Rundstreckenrennen Achter und im Derny Rennen Zweiter wurde und ein Kriterium in Neuhaus bei dem ich Zehnter wurde. Immer gut bewacht vom ganzen Feld.
Dann stand das erste von drei folgenden Highlights meiner Saison auf dem Plan:
Deutsche Meisterschaft! Die Geschichte über das Einzelzeitfahren ist schnell erzählt. Optimal vorbereitet stand ich auf der Startrampe. Die Sekunden zählen runter, Antritt, los! Doch irgendwas stimmt nicht. Ich weiß nicht was, doch der „Rubel rollt nicht“. Trotz 450 Watt fehlt die Geschwindigkeit. Wind? Berg? Nein! Beim Antritt habe ich wohl die Scheibe schief getreten. Sie schleift. Die ersten holen mich sogar ein. Das Rennen ist verloren.
So lag die Konzentration dann auf dem Straßenrennen. 206 km mit einigen kleinen Schwierigkeiten in Form von Anstiegen. Meine Aufgaben liegen in den ersten Runden. Das Team vorne aus dem Wind halten, Attacken vorbereiten, selbst attackieren! Der Plan geht auf, Nach kurzer Zeit steht eine Spitzengruppe mit gleich drei Fahrern von uns! So trödeln wir erst einmal durch die Landschaft. Bis zum Finale. Die „großen Jungs“ wollen noch etwas Radrennen fahren. Wir spielen mit und gestalten das Radrennen recht schwer. So ist es auch nicht verwunderlich, dass selbst Marcel Kittel am Berg das Rennen aufgeben muss. Mich kostet es am Schlussanstieg, ca. 3 km vor dem Ziel den Anschluss, doch unser Sprinter Phil vollendet die Arbeit und wird super Dritter!


Es folgt Saisonhighlight Zwei: Oderrundfahrt. Nach meinem zweiten Platz letztes Jahr sollte endlich der Gesamtsieg her. Schon bei der ersten Etappe kann ich Akzente setzen und initiiere so auch die endscheidende Spitzengruppe. Zusammen mit meinem Teamkollegen Thomas fahren wir mit 3 weiteren Begleitern Rund für Runde. Nach einigen Attacken sind wir zwei los, doch der dritte, Tim Schlichenmaier, ließ sich nicht abhängen und ist im Sprint besser. So steht auf der ersten Etappe Platz Zwei für Thomas und Platz drei sowie das Bergtrikot für mich auf dem Plan. Der nächste Tag war ein reiner Sprinttag. Ohne Sprinter rollten wir nur mit. Tag Drei beinhaltete das Einzelzeitfahren. Ich hatte mir als Vorjahressieger viel vorgenommen. Vll zu viel. An der Wende wurde ich zu weit rausgetragen und stürzte fast. Ich musste ausklicken und kam nicht mehr in die Pedale. So verlor ich viel Kostbare Zeit und wurde nur Achter. Mit Wut im Bauch wollte ich es am Abend beim Rundstreckenrennen in der Stadt richten. Ein Kurs wie für mich gebaut. Dann fing es auch noch an zu regnen. Es war wie im Wunderland. Ich steuerte durch die Kurven, gewann die erste Bergwertung und Prämie und setze mich mit einigen Fahrern ab. Doch viele andere stürzten, darunter auch der Mann im gelben Trikot, der dann zur Jury ging und einen Rennabbruch forderte. Unglaublicherweise bekam er den auch! Wie beim Frauenfußball! Sowas habe ich noch nie erlebt. Wenn man nicht mehr kann und sieht dass man sein gelbes Trikot verliert zur Jury gehen und Rennabbruch fordern. Armselig!
So mussten wir es an Tag Vier probieren. Wir attackierten und machten das Rennen schwer. Ich holte in den Zwischensprints am Zeisigberg Sekunde für Sekunde auf, doch am Ende forderte diese harte Rennen seinen Tribut. Max gewann das Rennen, jedoch konnten Thomas und Ich nicht mehr viel Zeit gut machen und so gewann am Ende die Heulsuse. Traurig. Platz 3,4 und 5 gingen an Thomas, mich und Max. Ich holte zudem das Bergtrikot und wurde 3 in der Sprintwertung.


Mit viel Selbstvertrauen und Motivation ging es dann direkt von der Oderrundfahrt nach Polen. Saisonhighlight Drei stand an. Studenten WM! Als einzig deutscher Fahrer stand ich keine72 Stunden nach dem Ziel der letzten Etappe der Oderrundfahrt am Start des Zeitfahrens um den Studenten WM Titel. 24 km, 350hm und das alles mit Straßenrad. Warum nicht. Leicht einsetzender Regen kommt mir entgegen. Am Berg stehen die 400 Watt über 10 Minuten. In der Abfahrt wäre mehr gegangen, doch die polnischen Straßen sind sehr schlaglochreich und stürzen wollte ich nicht. Auf dem restlichen Flachstück konnte ich gleich drei Fahrer auffahren, nach dem ich den ersten schon nach 3 km hatte. Im Ziel hatte ich: Bestzeit! Doch leider kam hinter mir noch der Tscheche Petr Vakoc aus der Omega Pharma Equipe und war sieben Sekunden schneller…. Vizetitel! Geil! Aber auch Wehmut: Nur sieben Sekunden! :/Dritter wurde Adrian Kurek vom polnischen Zweitdivisionär CCC Polsat Polkowice.


Neuer Tag, neues Glück. Heute musste die Runde von Gestern gleich sechs Mal befahren werden. Das hieß 1800 Höhenmeter auf 94 km! Ich fuhr immer vorne und versuchte keine Tschechen oder Polen fahren zu lassen. Dies klappte sehr gut und als der Vortagessieger Vakoc in der vorletzten Runde am Berg attackiert können nur noch zwei Folgen. Jan Polnicki aus dem Team der Tschechen und Ich! Die beiden Spielen dann ihre Überlegenheit aus und attackieren mich wechselseitig. Bis zum Berg kann ich jeden Angriff parieren, doch als Vakoc erneut am steilsten Stück des Berges attackiert kann ich nicht mehr folgen. Ich fahre mein Tempo weiter und kann der Vorsprung zunächst klein halten. Von hinten kommen dann überraschend noch zwei polnische Fahrer. So fahren wir zu viert der Ziellinie entgegen. Ich weiß dass ich einen langen Sprint fahren muss und setze bei der 250 Meter Marke an. Der Plan geht auf, keiner kommt vorbei und so sicher ich mir erneut den Vizetitel!! Von einem World Tour Fahrer geschlagen zu werden ist keine Schande, trotzdem hätte ich gerne zumindest ein Regenbogentrikot mitgenommen.

Schon kurz nach der Studenten WM ging es zum „Heimrennen“ nach Bensheim. Zusammen mit meinen Teamkollegen Jan Dieteren und Christian Mager waren wir, wie so oft, Favoriten im Rennen. Schon nach kurzer Zeit konnte ich mit Chris und 2 weiteren Fahrern absetzen und schlussendlich sogar das Feld überrunden. Im Finale attackierte ich mehrmals so dass Chris, dessen Heimrennen es seit Jahren ist, drüber attackieren konnte und als Solist ankam. Den Sprint der Gruppe gewann ich und machte so den Doppelsieg perfekt. Jan Dieteren wurde sogar noch Fünfter.